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Back to the Roots – analog

„Waaaas, analoge Fotografie? Gibt es denn überhaupt noch Filme? Die modernen digitalen Kameras können doch so viel, mit Photoshop kann man jetzt sogar Gesichter so retuschieren, dass eine Person, die bei der Aufnahme eher neutral geguckt hat, auf dem Foto lächelt! Alles perfekt, alles lächelt, alles so toll!“ Klar, auch ich finde die Möglichkeiten der Digitalfotografie faszinierend und werde nicht komplett umsteigen. Aber irgendwie erscheinen mir die Bilder, die ich zu sehen bekomme, immer  glatter und perfekter. Schön, perfekte Bilder zu machen, keine Frage. Nur bin ich mir nicht sicher, ob das aalglatte Bild am Ende wirklich „mein“ Bild ist. Außerdem wollte ich gern einmal die Wurzeln der modernen Fotografie erkunden und die analoge Technik mal ausprobieren.

Also, Buch besorgt (Thomas, lach nicht!), bei ebay eine alte Canon AE1 ersteigert und ein kleines Dunkelkammerset, und los ging´s. Ich habe die Filme in meiner kleinen Dunkelkammer (deren Herz ein lichtdichter Wechselsack ist) selbst entwickelt und dann eingescannt. Das Entwickeln eines Films in der Dunkelkammer ist, glaube ich, eines der letzten Abenteuer. War das spannend! Erstmal den Film im Wechselsack auf die Rolle spulen. Der erste Film ist mir dabei ein bisschen verunglückt. Jaja, in dem Buch stand natürlich, daß man erstmal an einem leeren Film üben soll, aber so Trockenschwimmen ist nicht mein Ding. Da hab ich gleich einen belichteten genommen. Natürlich nicht die unwiderbringlichen Bilder von der Hochzeit von… und auch nicht die von der Superexpedition zum Südpol. Nicht nur, weil ich in letzter Zeit weder bei einer Hochzeit noch beim Südpol war, das wäre mir dann doch zu heikel gewesen. Also los, die Lösungen ansetzen, die Temperatur muß stimmen, wie lange soll der Film… ah, 6:30, einfüllen, schütteln, oh, ich hab den Timer vergessen, also, das war bestimmt jetzt schon ne halbe Minute, Timer suchen, anmachen, oh, schütteln vergessen, Mist!, Jetzt aber wieder schütteln, warten, oh, schon wieder über die Zeit. Timer piept, Entwickler auskippen, wässern, durchschnaufen, fixieren, wässern. Währenddessen schonmal aufräumen, zuviel Entwickler angesetzt, macht nix, alles wieder verstaut. Oh, der Film spult sich von der Rolle. Krass, da sind ja meine Bilder drauf! Da hab ich beschlossen, den zweiten Film auch gleich zu entwickeln. Aufspulen jetzt schon routinierter, Entwickler noch da und Timer auch, alles exakt gemacht. Am Ende wieder meine Bilder auf dem Streifen im Gästebad… Was soll ich sagen, nach dem Einscannen fand ich den Film, den ich zuerst entwickelt hatte, sogar fast gelungener, obwohl ein paar Bilder nichts geworden sind (aufspultechnisch bedingt, s.o.). Nur war das so chaotisch, das ist nicht reproduzierbar. Eben analog! In Zukunft möchte ich natürlich auch ausgewählte Bilder selbst vergrößern. Da fehlt mir aber noch ein bisschen Equipment und da das Gästebad nächste Woche erstmal gebraucht wird, werde ich da heute keine Dunkelkammer draus machen. Aber bald!